Elektroinstallation Verkabelung bedeutet, für jeden Raum und jedes Gerät im Vorfeld festzulegen, welches Kabel, welcher Querschnitt und welcher Leitungsweg zum Einsatz kommt, bevor überhaupt ein Schlitz gestemmt wird. Wer diese Planung überspringt, riskiert überlastete Leitungen, unnötige Stemmarbeiten oder eine Unterverteilung, die später nicht mehr reicht. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie die Verkabelung im Detail geplant und ausgeführt wird – von der Kabelwahl bis zur Prüfung.
Welches Kabel für welchen Stromkreis?
Die gängigste Elektroinstallation Kabel-Type im Innenbereich ist das NYM-J, ein mantelisoliertes Installationskabel für die feste Verlegung unter Putz, in Kabelkanälen oder auf Putz. Im Freien oder in feuchten Bereichen kommt stattdessen NYY-J zum Einsatz, das einen widerstandsfähigeren Mantel besitzt.
Der Querschnitt richtet sich nach der zu erwartenden Last und der Leitungslänge:
- 1,5 mm² für Beleuchtungsstromkreise (16 A)
- 2,5 mm² für Steckdosenstromkreise (16 A)
- 4 bis 6 mm² für Herd, Backofen oder Durchlauferhitzer
- 10 mm² oder mehr für Wallboxen und Starkstromverbraucher
Ein zu knapp gewählter Querschnitt führt zu Erwärmung und im Extremfall zu Kabelbrand – hier lieber eine Nummer größer planen, besonders bei langen Leitungswegen, bei denen der Spannungsabfall relevant wird.
Leitungswege und Installationszonen festlegen
Bevor Schlitze gestemmt werden, müssen die Leitungswege feststehen. Die DIN 18015 legt dafür feste Installationszonen fest, an denen sich jede Elektroinstallation orientieren sollte, etwa waagerecht 30 cm unter der Decke oder 20 bis 30 cm über dem fertigen Boden, sowie senkrechte Zonen neben Türen und Schaltern.
Wer sich an diese Zonen hält, vermeidet spätere Beschädigungen beim Bohren für Regale oder Bilder, weil Leitungen dort erwartbar verlaufen. Kreuzende oder diagonale Leitungsführungen sind zwar möglich, erschweren aber die spätere Fehlersuche und sollten dokumentiert werden.
Für die Verlegeart gilt: In Trockenbauwänden werden Kabel in Leerrohren oder Elektrokanälen geführt, in Massivwänden in Stemmschlitzen mit anschließendem Verputzen. Auf Putz verlegte Kabelkanäle sind die schnellste, aber optisch auffälligste Lösung und eignen sich vor allem für Nachrüstungen im Bestand.
Unterverteilung: wie viele Stromkreise braucht ein Haus?
Die Elektroinstallation Unterverteilung bündelt mehrere Stromkreise eines Geschosses oder Gebäudeteils in einem eigenen Zählerschrank oder Verteilerkasten, bevor sie vom Hauptverteiler weiterversorgt wird. Das reduziert Leitungslängen, erleichtert die Zuordnung von Sicherungen zu Räumen und schafft Reserve für spätere Erweiterungen.
Als Richtwert gilt in Wohngebäuden ein eigener Stromkreis pro Raum für Steckdosen, ein separater für Beleuchtung sowie Extra-Kreise für Großverbraucher wie Herd, Waschmaschine oder Wallbox. Eine Unterverteilung sollte immer mit Reserveplätzen geplant werden, damit spätere Nachrüstungen ohne kompletten Umbau möglich sind.
Wichtige Bestandteile jeder Unterverteilung sind:
- Leitungsschutzschalter (Sicherungsautomaten) je Stromkreis
- Mindestens ein Fehlerstromschutzschalter (RCD) pro Verteilung
- Überspannungsschutz, insbesondere bei Photovoltaik oder Wallbox
- Freie Reihenplätze für spätere Erweiterungen
Klassische Verkabelung oder Bus-System?
Bei der klassischen Elektroinstallation führt jeder Schalter eine eigene Leitung zum jeweiligen Verbraucher – einfach, bewährt, aber wenig flexibel, wenn später Funktionen geändert werden sollen. Eine Elektroinstallation Bus-Lösung wie KNX trennt dagegen Steuerung und Leistung: Schalter senden Signale über eine separate Busleitung an Aktoren, die die eigentliche Last schalten.
Für ein Bus-System muss zusätzlich zur normalen Stromleitung eine Busleitung (meist ein zweiadriges, geschirmtes Kabel) parallel zu jedem Schalter und vielen Verbrauchern verlegt werden. Das bedeutet mehr Planungsaufwand und mehr Kabel im Rohbau, ermöglicht aber spätere Änderungen der Schaltlogik per Software statt durch neue Leitungen.
Wer sich für Bus-Technik entscheidet, sollte das bereits bei der Grundrissplanung berücksichtigen, da nachträgliches Verlegen von Busleitungen deutlich aufwendiger ist als bei der klassischen Verkabelung. Eine Mischlösung, bei der nur zentrale Bereiche wie Wohnzimmer oder Eingang busfähig verkabelt werden, ist ein gängiger Kompromiss.
Normen einhalten und Ausführung prüfen lassen
Jede Verkabelung in Deutschland muss den Vorgaben der DIN Elektroinstallation entsprechen, insbesondere der DIN VDE 0100 für die Errichtung von Niederspannungsanlagen und der bereits erwähnten DIN 18015 für Installationszonen. Diese Normen sind keine Empfehlung, sondern die rechtliche Grundlage, an der sich auch Versicherungen im Schadensfall orientieren.
Nach der Verlegung, aber vor dem Verschließen von Wänden, gehört eine Sichtprüfung aller Klemmstellen und Verbindungen zwingend dazu. Vor der Inbetriebnahme sind Isolationswiderstand, Schutzleiterdurchgang und die Auslösung der Fehlerstromschutzschalter zu messen – das dürfen ausschließlich Elektrofachkräfte durchführen und mit einem Prüfprotokoll dokumentieren.
Als Faustregel gilt: Planung, Kabelverlegung in Leerrohren und einfache Vorarbeiten kann ein handwerklich versierter Bauherr übernehmen, der Anschluss an Zählerschrank und Unterverteilung sowie die Endprüfung müssen jedoch einer zugelassenen Elektrofachkraft vorbehalten bleiben.
Fazit
Eine durchdachte Elektroinstallation Verkabelung steht und fällt mit drei Entscheidungen: dem richtigen Kabeltyp und Querschnitt, sauber geplanten Leitungswegen nach Installationszonen und einer Unterverteilung mit ausreichenden Reserven. Wer zusätzlich früh entscheidet, ob klassisch oder mit Bus-System gearbeitet wird, spart sich spätere Umbauten. Die eigentliche Umsetzung an Verteiler und Zähler sowie die abschließende Prüfung gehören in jedem Fall in die Hände einer Elektrofachkraft.