Bevor die neue Dichtmasse aus der Kartusche kommt, entscheidet sich am Material und an der Vorbereitung, ob die Fuge Jahre hält oder nach kurzer Zeit wieder reißt und schimmelt. Wer die Silikonfuge am Fenster erneuern möchte, sollte deshalb zunächst das passende Produkt auswählen und den Untergrund sauber, trocken und fettfrei vorbereiten, bevor überhaupt eine neue Raupe gesetzt wird. Dieser Beitrag konzentriert sich genau auf diese beiden Punkte – Material und Vorbereitung – und ergänzt damit die grundsätzlichen Schritte zum Fugenwechsel am Fenster.
Welches Silikon eignet sich zum Erneuern der Fensterfuge?
Nicht jede Dichtmasse aus dem Baumarktregal ist für Fenster geeignet. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen essigsäurevernetzendem (sauer aushärtendem) und neutral vernetzendem Silikon. Saures Silikon riecht beim Aushärten typisch stechend und kann Materialien wie Naturstein, Beton, manche Kunststoffbeschichtungen und Metalle angreifen oder verfärben – für Fensterrahmen aus Aluminium oder pulverbeschichtetem Kunststoff ist es deshalb ungeeignet. Für die Silikonfuge am Fenster wird in aller Regel neutral vernetzendes Bau- oder Fenstersilikon verwendet, das materialschonend ist und sich mit den meisten Rahmenwerkstoffen verträgt.
Sanitärsilikon aus dem Bad ist zwar oft fungizid ausgerüstet, aber primär auf Feuchtebelastung in Innenräumen ausgelegt und weniger UV- und wetterbeständig. Wer Silikon am Fenster erneuern will, sollte stattdessen zu einem Produkt greifen, das ausdrücklich als witterungsbeständig und für Außenfugen deklariert ist. Auf der Kartusche sollte eine Zulassung nach DIN EN 15651 (Fugendichtstoffe für nicht tragende Anwendungen im Hoch- und Ingenieurbau) oder ein Hinweis auf UV-Beständigkeit stehen.
Bei besonders breiten oder bewegungsintensiven Fugen, etwa am Übergang zwischen Fensterrahmen und Fassade, kommt niedrigmoduliges (LM-)Silikon zum Einsatz, das nach DIN 18540 für Bewegungsfugen an Außenwandbekleidungen vorgesehen ist und sich stärker dehnen und stauchen kann, ohne zu reißen. Als Alternative haben sich hybride Dichtstoffe auf Basis von MS-Polymeren etabliert: Sie haften auf mehr Untergründen ohne Voranstrich, sind überstreichbar und ebenfalls UV-stabil – eine gute Wahl, wenn Anstrich oder spätere Lackierung geplant ist.
Farblich sollte die neue Fuge zum Rahmen passen. Hersteller bieten Silikon meist in Weiß, Grau, Braun, Anthrazit und transparent an, teils auch in RAL-Tönen, die zu gängigen Fensterprofilen passen. Wer unsicher ist, kauft eine kleine Menge und testet die Farbwirkung an einer unauffälligen Stelle, bevor die gesamte Fuge fenster erneuern lassen wird.
Werkzeug und Zubehör für die Vorbereitung
Für eine saubere Vorbereitung braucht es mehr als nur die Kartusche. Folgende Ausstattung hat sich in der Praxis bewährt:
- Kartuschenpistole für gleichmäßigen Materialauftrag ohne Druckspitzen
- Cuttermesser oder spezielles Fugenmesser zum Aufschneiden der alten Fuge
- Fugenkratzer oder Kunststoffschaber, um Rückstände zu entfernen, ohne Glas oder Rahmen zu zerkratzen
- Silikonentferner (mechanisch oder chemisch als Gel) für hartnäckige Altsilikonreste
- Reinigungsmittel auf Isopropanol- oder Spiritusbasis zum Entfetten des Untergrunds
- Fusselfreie Tücher oder Zellstoff
- Malerkrepp beziehungsweise Abklebeband für saubere Fugenränder
- Fugenglätter oder Glättmittel (Wasser mit wenig Spülmittel oder spezielle Glättflüssigkeit)
- Schutzhandschuhe, Schutzbrille und bei Verwendung von Lösemittelentferner ausreichende Belüftung oder Atemschutz
Wichtig ist außerdem ein Schutz für die Umgebung: Fensterbank, Glas und angrenzende Bauteile lassen sich mit Folie oder Krepp abdecken, damit weder Reste der alten Fuge noch überschüssiges neues Silikon Flecken hinterlassen. Bei Arbeiten von außen sollte zusätzlich an eine sichere Standfläche – Gerüst oder stabile Leiter mit Anlehnpunkt – gedacht werden, insbesondere in oberen Geschossen.
Alte Fuge fachgerecht entfernen
Die eigentliche Vorbereitung beginnt mit dem vollständigen Entfernen der alten Dichtmasse, denn neues Silikon haftet nicht zuverlässig auf altem Silikon. Zunächst wird die Fuge beidseitig mit dem Cuttermesser angeschnitten, dann lässt sich der Silikonstrang meist in einem Stück herausziehen. Verbleibende Reste an Glas, Rahmen oder Mauerwerk werden mit dem Fugenkratzer oder Kunststoffschaber abgelöst – auf Glas grundsätzlich mit Kunststoff- statt Metallwerkzeug arbeiten, um Kratzer zu vermeiden.
Bei stark anhaftenden Resten helfen chemische Silikonentferner, die das alte Material anlösen und die Entfernung erleichtern. Diese Mittel sind meist lösemittelhaltig, weshalb Handschuhe und gute Belüftung Pflicht sind; Herstellerangaben zur Einwirkzeit sollten eingehalten werden, damit angrenzende Materialien wie Kunststoffdichtungen nicht angegriffen werden.
Ein häufiger Grund, die Fenster-Silikonfuge zu erneuern, ist Schimmelbefall in der Fuge selbst oder im dahinterliegenden Fugengrund. Wird eine neue Fuge einfach über verbliebene Schimmelsporen gesetzt, wächst der Belag unsichtbar weiter und tritt später erneut sichtbar hervor. Deshalb sollte der freigelegte Untergrund nach dem Entfernen der alten Fuge mit einem fungiziden Reiniger behandelt und ausreichend trocknen gelassen werden, bevor es weitergeht.
Zeigt sich beim Entfernen, dass Feuchtigkeit bereits tiefer eingedrungen ist – etwa erkennbar an aufgequollenem Fensterbankmaterial, dunklen Verfärbungen im Mauerwerk oder muffigem Geruch –, reicht eine reine Fugensanierung nicht mehr aus. In solchen Fällen sollte ein Fachbetrieb die Ursache prüfen, bevor überhaupt neu abgedichtet wird.
Untergrund reinigen und richtig abkleben
Nach dem Entfernen der alten Fuge folgt die Reinigung des gesamten Fugenbereichs. Fett-, Staub- und Silikonrückstände verhindern eine dauerhafte Haftung und sind die häufigste Ursache dafür, dass eine frisch gesetzte Fuge sich nach wenigen Wochen wieder ablöst. Isopropanolhaltige Reiniger oder spezielle Silikon-Voranstriche entfernen unsichtbare Fettfilme zuverlässiger als Wasser allein.
Nach der Reinigung muss die Fuge vollständig abtrocknen, bevor neu abgedichtet wird. Restfeuchte im Fugengrund führt nicht nur zu Haftungsproblemen, sondern begünstigt erneut Schimmelbildung unter der neuen Silikonschicht. Je nach Witterung und Bauteil kann das mehrere Stunden dauern; bei sichtbarer Restfeuchte im Mauerwerk empfiehlt sich, mit einem Ventilator oder Heizlüfter nachzuhelfen, statt vorzeitig weiterzuarbeiten.
Bei bestimmten Untergründen – etwa unbehandeltem Naturstein, manchen Kunststoffprofilen oder stark saugenden Putzen – schreibt der Hersteller des Silikons oft einen Voranstrich (Primer) vor. Ein Blick ins technische Datenblatt der jeweiligen Kartusche schützt vor bösen Überraschungen, denn ohne den vorgeschriebenen Primer erlischt häufig auch die Gewährleistung des Herstellers.
Für ein sauberes Fugenbild wird beidseitig der Fuge Malerkrepp aufgeklebt, parallel zur Fugenlinie und mit gleichmäßigem Abstand. Das Klebeband verhindert, dass Silikon auf Glas oder Rahmen verschmiert, und erleichtert es, nach dem Glattziehen eine gerade, gleichmäßig breite Fuge zu erhalten. Wichtig: Das Krepp muss zügig nach dem Glätten und noch vor dem Anziehen des Silikons abgezogen werden, sonst reißt es mit aushärtender Masse aus der Fuge.
Fugenbreite, Fugentiefe und Anwendungsbedingungen beachten
Auch bei bester Materialwahl und sauberster Vorbereitung hält eine Fuge nur, wenn ihre Geometrie stimmt. Als Faustregel gilt ein Verhältnis von Fugenbreite zu Fugentiefe von etwa 2:1, wobei die Tiefe in der Regel nicht mehr als 8 bis 10 Millimeter betragen sollte. Bei tieferen oder sehr breiten Fugen wird vor dem Abdichten eine Rundschnur (Hinterfüllprofil) aus geschlossenzelligem Schaumstoff eingelegt. Sie verhindert die sogenannte Drei-Flanken-Haftung, bei der das Silikon zusätzlich am Fugengrund klebt und dadurch bei Bewegung reißt, statt sich frei zu dehnen.
Auch die Temperatur beim Auftragen entscheidet über die Haltbarkeit. Die meisten Fenstersilikone lassen sich zwischen etwa 5 °C und 40 °C verarbeiten; direkte Sonneneinstrahlung während der Aushärtung sowie Regen auf die frische Fuge sollten vermieden werden, da beides die Oberfläche vorzeitig anhärten lässt, während der Kern noch weich bleibt. Wer die Fugen am Fenster erneuern will, plant die Arbeiten daher am besten für einen trockenen, gemäßigt temperierten Tag ohne pralle Mittagssonne auf der bearbeiteten Fassadenseite.
Zu schmale Fugen unter etwa 5 Millimetern Breite nehmen kaum Bewegung auf und reißen an den Rändern besonders schnell wieder auf. Bei der Vorbereitung lohnt sich deshalb ein kurzer Check mit dem Zollstock: Ist die vorhandene Fuge zu schmal oder zu unregelmäßig ausgebildet, kann es sinnvoll sein, sie beim Ausschneiden geringfügig zu verbreitern, statt die alte, zu enge Geometrie einfach zu übernehmen.
Fazit
Wer die Silikonfuge am Fenster erneuern will, legt den Grundstein für eine dauerhaft dichte Fuge bereits vor dem eigentlichen Verfugen: mit dem passenden, witterungsbeständigen Silikon für den jeweiligen Rahmenwerkstoff, vollständig entfernter Altfuge, einem trockenen, fettfreien Untergrund und der richtigen Fugengeometrie. Wird einer dieser Schritte übersprungen, zeigt sich das oft erst Wochen später durch erneute Risse, Ablösungen oder Schimmelflecken. Bei tieferliegenden Feuchteschäden oder größeren Bewegungsfugen an der Fassade ist es sinnvoller, einen Fachbetrieb hinzuzuziehen, statt die Ursache mit einer neuen Silikonraupe nur zu überdecken.